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Post vom Dompropst
Fronleichnam 2026
Sehr geehrte Damen und Herren,
zuletzt konnten wir für die Feier des Fronleichnamsfests auf dem Bebelplatz von der Bühne für die "Staatsoper für Alle" profitieren. In diesem Jahr hat uns die Staatskapelle schon an Pfingsten zum Auszug aus der Kathedrale begrüßt. Wir werden dem Allerheiligsten daher nicht erneut die "große Bühne" bieten können. Das Geheimnis unseres Glaubens schmälert dies nicht. Um Größe und Zahl geht es nicht, der, den wir bekennen, ist mitten unter uns gegenwärtig. Ich freue mich auf dieses große Fest des Glaubens und lade Sie herzlich dazu ein!
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Priesterweihe weltweit 
Im Erzbistum Berlin haben wir die Weltkirche vor Ort. Die Lesung aus der Apostelgeschichte vom Pfingstwunder erinnert mich daran. Wir haben zwar keine "Parther, Meder und Elamiter", aber schon die Kandidaten für die Priesterweihe am kommenden Samstag führen uns von Babelsberg über Italien und Bosnien-Herzegowina bis in die Dominikanische Republik. Und weil das so ist, wird der Gottesdienst aus der Kathedrale auch weltweit gestreamt. Nicht etwa, um zu zeigen, dass wir technisch so gut ausgestattet sind, sondern damit sich Angehörige und Weggefährten, Gemeinden und Familien dem Gebet für unsere Neupriester verbinden können.
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"Er widerstand"
Am 23. Juni 1996 besuchte Papst Johannes Paul II. Berlin. Zum einen, um sich persönlich davon zu überzeugen, dass die Mauer gefallen und der eiserne Vorhang gefallen ist. Zum anderen aber, um Dompropst Bernhard Lichtenberg seligzusprechen. Wir werden für den Jahrestag nicht erneut das Berliner Olympiastadion buchen, aber seiner an seinem Grab gedenken. Sein Vorbild, sein Widerspruch und sein Glaubenszeugnis bleiben vorbildhaft.
Haydn da, wo er hingehört
Josef Haydn hat seine Orchestermessen für den Gottesdienst geschrieben. Seine Nicolaimesse hatte der Chor der Sankt Hedwigs-Kathedrale zuletzt auch an Pfingsten gesungen.
Der RIAS-Kammerchor singt Haydn-Messen überwiegend im Konzertsaal, aber  den Tag "Servus Haydn" im Konzerthaus beginnt dessen Leiter Justin Doyle ganz bewusst da, wo die Messen hingehören und wo sie herkommen.
Es ist für mich ein starkes Zeichen, dass ein weltlicher Chor das "Ad maiorem Dei gloriam" des Komponisten ernst nimmt (Auch wenn ich im Programm gelesen habe, dass Haydn die Messe auch seinem Arbeitgeber, Fürst Nikolaus Esterházy zum Namenstag gewidmet hat).
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Berliner Bücherfest
Mein Weg zur Kathedrale führt mich fast täglich über die "versunkene Bibliothek". Und sie erinnert mich regelmäßig an die Bücherverbrennung im Mai 1933. Dass an dieser Stelle nun schon wieder seit einigen Jahren das Berliner Bücherfest gefeiert wird, ist eine sehr gelungene Konversion des Bebelplatzes: wo Bücher verbrannt wurden, werden sie jetzt gefeiert und gelesen. Und die Kathedrale ist mit dabei und nicht nur, weil wir das "Buch der Bücher" haben.
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Wir haben Pfingsten, den Geburtstag der Kirche, traditionell mit der Feier der Erwachsenenfirmung festlich begangen. Gefirmt wurden die Neugetauften, die erst später in ihrem Leben sich für Christus entschieden haben und nicht bereits nach ihrer Geburt getauft wurden.
Gelesen habe ich, dass viele von ihnen ihren ersten Kontakt mit Glauben und Kirche über das Internet und genauer die sog. "Sozialen Medien" gefunden habe.
Selbst erlebt habe ich und aus dem Welcome-Team und von Kirchenführungen bestätigt wurde mir, dass auch die offen-einladende Gestalt der Kathedrale eine Art "soziales Medium" ist. Bei vielen Besucherinnen und Besuchern löst die Kathedrale Fragen und ein tieferes Nachdenken aus. Und zwar sowohl die "himmlische" Oberkirche als auch die nachdenklich-meditative Krypta. Fragen zu Schuld, Leid und Unrecht, genauso wie zu Hoffnung und Lebensfreude, die zu Gott führen können.
Es ist daher richtig, dass wir keinen Eintritt verlangen für diejenigen, die ein "nur touristisches" Interesse haben. Denn es ist die Erfahrung von Pfingsten: der Geist wirkt wo er will und wir dürfen dem nicht im Weg stehen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr
Prälat Tobias Przytarski
Dompropst bei Sankt Hedwig